Was ein Stipendium von einem Zuschuss unterscheidet
Ein Zuschuss fördert eine Investition, ein Stipendium fördert Personen. Gezahlt wird ein Betrag zum Lebensunterhalt über einen festgelegten Zeitraum, häufig ergänzt um Sachmittel und Coaching. Voraussetzung ist, dass du in dieser Zeit an der Gründungsvorbereitung arbeitest und nicht in einer Vollzeitstelle sitzt.
Daraus folgen zwei Dinge. Erstens ist ein Stipendium meist an eine wissenschaftliche oder technologische Grundlage und an eine Hochschule oder Forschungseinrichtung gebunden. Zweitens ist der Auswahlprozess kompetitiv und mit Fristen versehen, anders als bei Programmen, die laufend beantragt werden können.
EXIST: zwei Programmlinien
EXIST ist das Förderprogramm des Bundes für Gründungen aus der Wissenschaft. Es kennt mehrere Linien, die sich in Reifegrad und Umfang unterscheiden. Das Gründungsstipendium richtet sich an Teams, die aus einer Hochschule oder Forschungseinrichtung heraus ein innovatives Vorhaben vorbereiten. Der Forschungstransfer adressiert aufwendigere technologische Vorhaben, bei denen zunächst weitere Forschungsarbeit nötig ist.
Gemeinsam ist beiden Linien, dass die Hochschule oder Forschungseinrichtung als Partner auftritt. Sie stellt den Antrag beziehungsweise begleitet ihn, stellt Infrastruktur bereit und benennt eine fachliche Betreuung. Ohne diese Anbindung funktioniert der Weg nicht.
- Teams mit Bezug zu einer Hochschule oder außeruniversitären Forschungseinrichtung
- Innovatives Vorhaben mit erkennbarem technologischem oder wissensbasiertem Kern
- Gründung liegt noch vor der Antragstellung, nicht dahinter
- Feste Laufzeit, danach Übergang in Finanzierung oder Anschlussförderung
- Betreuung durch die Gründungsberatung der Hochschule
Die Rolle der Hochschule
Fast alle Hochschulen haben eine Gründungsberatung oder ein Entrepreneurship Center. Diese Stellen sind der praktische Einstieg, denn sie kennen die Fristen, die internen Abläufe und die Personen, die eine Betreuungszusage geben können. Ein Antrag ohne vorherigen Kontakt dorthin ist selten erfolgreich.
Nutzt die Angebote, die dort ohnehin bereitstehen: Räume, Werkstätten, Rechenzeit, Zugang zu Laboren, Mentoring und Kontakte zu früheren Teams. Vieles davon kostet nichts und verbessert den Antrag, weil es zeigt, dass die Umsetzung realistisch ist. Ein Team, das seinen Prototypen bereits an der Hochschule gebaut hat, argumentiert anders als eines, das den Bau erst plant.
Klärt früh die unangenehmen Fragen: Wem gehören die Schutzrechte an dem, was in der Hochschule entstanden ist. Braucht ihr eine Lizenz. Wer aus dem Team ist noch angestellt und in welchem Umfang. Diese Punkte tauchen im Antrag auf und lassen sich nicht kurzfristig lösen.
Wir vermitteln keine Hochschulkontakte und begleiten keine Anträge. Der Weg läuft über die Gründungsberatung deiner Einrichtung.
Landesstipendien und andere Wege
Neben EXIST haben mehrere Länder eigene Stipendien aufgelegt, teils mit geringerer Innovationsschwelle und ohne zwingende Hochschulanbindung. Sie sind oft auf Gründungen im Land begrenzt und verlangen einen Sitz oder Wohnsitz vor Ort. Daneben existieren Stipendien von Stiftungen, Branchenverbänden und Acceleratoren.
Für Vorhaben ohne Forschungsbezug ist oft ein anderer Weg sinnvoller: Gründungsberatung, Coaching-Programme, Mikrodarlehen der Länder oder der Gründungszuschuss, wenn du aus dem Arbeitslosengeldbezug kommst. Ein Stipendium ist kein Statussymbol, sondern ein Instrument mit engem Zuschnitt.
Denk außerdem an die Zeit nach dem Stipendium. Die Förderung endet zu einem festen Datum, das Produkt ist dann selten fertig. Plane deshalb von Anfang an, was danach trägt: eine Anschlussförderung, erste zahlende Kunden, eine Beteiligung oder ein Kredit. Wer diese Frage im Antrag beantwortet, wirkt deutlich belastbarer als ein Team, das die Zeit nach der Laufzeit offen lässt.
So läuft die Bewerbung
Der Ablauf ist bei den meisten Stipendien ähnlich und deutlich länger, als Teams erwarten. Rechne von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Beginn der Förderung mit mehreren Monaten und plane die Zwischenzeit finanziell ein.
- 1Gründungsberatung der Hochschule kontaktieren und Passung klären
- 2Team zusammenstellen und Rollen definieren, Lücken ehrlich benennen
- 3Ideenskizze erstellen und intern Rückmeldung einholen
- 4Vollantrag mit Arbeitsplan, Meilensteinen und Finanzierungsplan schreiben
- 5Betreuungszusage und Einverständnis der Einrichtung einholen
- 6Einreichen, gegebenenfalls Präsentation vorbereiten, Entscheidung abwarten
Woran Anträge scheitern
Die Ablehnungsgründe wiederholen sich. Fast alle lassen sich vermeiden, wenn man den Antrag aus Sicht der Gutachtenden liest statt aus Sicht des eigenen Enthusiasmus.
- Das Innovative bleibt behauptet, statt gegen den Stand der Technik abgegrenzt zu werden
- Das Team deckt Technik ab, aber niemand ist für Vertrieb und Kundenzugang zuständig
- Der Arbeitsplan besteht aus Absichten statt aus überprüfbaren Meilensteinen
- Schutzrechte sind ungeklärt, die Einrichtung hat noch nicht zugestimmt
- Die Gründung ist bereits erfolgt, obwohl das Programm die Phase davor fördert
- Fristen der Ausschreibungsrunde übersehen