Die Formen im Überblick
Sechs Grundformen decken fast alles ab, was dir in der Praxis begegnet. Sie schließen sich nicht aus, sondern werden in vielen Programmen bewusst kombiniert.
- Zuschuss: Geld, das du nicht zurückzahlst. Meist an einen Anteil der förderfähigen Kosten und an eine Obergrenze gebunden, endgültig erst nach der Verwendungsprüfung.
- Förderkredit: ein Darlehen zu vergünstigten Konditionen, oft mit langer Laufzeit und tilgungsfreien Anlaufjahren. Du zahlst zurück, aber günstiger als am freien Markt.
- Tilgungszuschuss: die Mischform. Du nimmst einen Kredit auf, ein Teil der Schuld wird dir erlassen, wenn du ein bestimmtes Ziel nachweislich erreichst.
- Bürgschaft: kein Geld, sondern eine Sicherheit. Eine Bürgschaftsbank übernimmt einen Teil des Ausfallrisikos, damit deine Hausbank den Kredit überhaupt vergibt.
- Beteiligung: eine Beteiligungsgesellschaft gibt Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Mittel. Relevant für Wachstum und Innovation, mit entsprechenden Mitspracherechten.
- Steuerlicher Vorteil: keine Auszahlung, sondern eine geringere Steuerlast über mehrere Jahre. Wirkt nur, wenn du überhaupt Steuern in entsprechender Höhe zahlst.
Wann der Zuschuss gewinnt
Wenn du das Vorhaben ohnehin aus Eigenmitteln stemmen kannst und die Summe überschaubar ist, ist der Zuschuss fast immer besser. Du bekommst echtes Geld, gehst keine Zahlungsverpflichtung ein und hast nach der Verwendungsprüfung Ruhe.
Zuschüsse haben zwei Eigenheiten, die du einplanen musst. Erstens sind sie häufiger budgetiert: Ist der Topf leer, ist er leer, teilweise mitten im Jahr. Wer auf einen Zuschuss angewiesen ist, beantragt früh im Förderzeitraum. Zweitens sind sie an Nachweise gebunden. Der Zuschuss ist erst dann endgültig deiner, wenn der Verwendungsnachweis geprüft ist, und bis dahin kann er ganz oder teilweise zurückgefordert werden.
Wann der Kredit gewinnt
Bei großen Vorhaben, bei denen der Zuschuss durch eine Obergrenze gedeckelt ist, bringt der Kredit unter dem Strich oft mehr. Ein Zinsvorteil über eine lange Laufzeit kann in absoluten Zahlen deutlich mehr wert sein als ein einmaliger Zuschuss, der bei einer festen Summe endet.
Der Kredit hilft außerdem der Liquidität. Du musst nicht in Vorleistung gehen, und dein Eigenkapital bleibt für Unvorhergesehenes verfügbar. Bei Gründungen und Betriebsinvestitionen ist das oft wichtiger als der reine Zinsvorteil, weil eine leere Kasse ein Vorhaben schneller stoppt als ein etwas höherer Zins.
Der Preis dafür ist die Bindung. Du gehst eine Verpflichtung über viele Jahre ein und musst die Rate auch dann bedienen, wenn das Vorhaben nicht so läuft wie geplant.
Die Mischform: Tilgungszuschuss
Der Tilgungszuschuss ist die Brücke zwischen beiden Welten. Du nimmst zunächst das volle Darlehen auf und bekommst später einen Anteil der Restschuld erlassen, sobald du nachgewiesen hast, dass das geförderte Ziel erreicht ist, etwa ein bestimmter energetischer Standard.
Der Reiz liegt darin, dass du die Liquidität eines Kredits mit dem Effekt eines Zuschusses verbindest. Das Risiko ebenfalls: Wird das Ziel nicht erreicht, bleibt der Kredit in voller Höhe bestehen. Plane deshalb konservativ und lass dir den erreichbaren Standard vor dem Antrag fachlich bestätigen.
Der Weg über die Hausbank
Förderkredite der Förderbanken werden in der Regel nicht direkt bei der Förderbank beantragt, sondern über deine Hausbank. Sie prüft die Bonität, reicht den Antrag weiter und haftet mit. Das bedeutet: Die Hausbank kann ablehnen, obwohl das Programm zu dir passt.
- 1Programm und Programmnummer heraussuchen, bevor du in die Bank gehst. Nicht jede Filiale kennt jedes Förderprodukt.
- 2Unterlagen vorbereiten: Vorhabenbeschreibung, Kostenaufstellung, Finanzierungsplan, bei Betrieben zusätzlich Jahresabschlüsse und aktuelle Zahlen.
- 3Termin mit dem Firmenkunden- oder Baufinanzierungsbereich vereinbaren und ausdrücklich nach dem Förderkredit fragen.
- 4Antrag über die Hausbank an die Förderbank einreichen lassen, vor Vorhabenbeginn.
- 5Zusage abwarten und erst danach Verträge unbedingt schließen.
Wenn deine Hausbank kein Interesse zeigt, frag eine zweite Bank. Banken sind bei Förderkrediten unterschiedlich geübt, und die Bereitschaft hängt auch am Aufwand für die Bank.
Wenn die Sicherheiten fehlen
Der häufigste Ablehnungsgrund bei Förderkrediten ist nicht das Vorhaben, sondern die Sicherheitenlage. Genau dafür gibt es in jedem Bundesland eine Bürgschaftsbank. Sie übernimmt einen Teil des Ausfallrisikos, sodass die Hausbank den Kredit vergeben kann.
Der Weg läuft meist über die Hausbank, in vielen Ländern gibt es zusätzlich die Möglichkeit, sich direkt an die Bürgschaftsbank zu wenden, bevor eine Bank angesprochen wird. Für Gründungen und junge Betriebe ist das oft der entscheidende Baustein.
Der Punkt, den fast alle unterschätzen
Zuschüsse werden in vielen Programmen erst nach Abschluss der Maßnahme und nach Vorlage der Belege ausgezahlt. Zwischen deiner Zahlung an den Handwerker und dem Eingang des Zuschusses können Monate liegen. Diese Zeit musst du überbrücken.
Rechne deshalb nicht nur, ob du dir das Vorhaben nach Abzug der Förderung leisten kannst, sondern ob du es dir vor Abzug der Förderung leisten kannst. Wer das übersieht, steht mit einer bewilligten Förderung und einer unbezahlten Rechnung da.
Manche Programme kennen Teilauszahlungen oder Mittelabrufe während der Umsetzung. Ob deines dazugehört, steht im Bescheid.
So rechnest du beide Varianten sauber gegeneinander
Der Vergleich funktioniert nur über die gesamte Laufzeit und nur mit denselben Annahmen auf beiden Seiten.
- 1Ermittle die förderfähigen Kosten deines Vorhabens, nicht die Rechnungssumme.
- 2Rechne den Zuschuss aus, aber deckle ihn an der Obergrenze der Richtlinie.
- 3Rechne beim Kredit den Zinsvorteil gegenüber einer marktüblichen Finanzierung über die gesamte Laufzeit, abzüglich Bearbeitungs- und Bereitstellungskosten.
- 4Zieh beim Kredit einen etwaigen Tilgungszuschuss ab und prüfe, ob du dessen Bedingung sicher erfüllst.
- 5Vergleiche zum Schluss nicht nur die Summen, sondern die Liquidität in den ersten zwei Jahren.
Typische Fehler bei der Entscheidung
Diese Denkfehler tauchen in Beratungsgesprächen immer wieder auf.
- Nur auf den Prozentsatz schauen und die Obergrenze übersehen
- Den Zinsvorteil eines Förderkredits gegen null rechnen, weil das Marktzinsniveau gerade niedrig scheint
- Vergessen, dass ein Kredit eine Bonitätsprüfung voraussetzt und Zeit kostet
- Die Vorfinanzierung des Zuschusses nicht einplanen
- Beim Tilgungszuschuss mit dem besten Standard rechnen, ohne ihn fachlich abgesichert zu haben
- Annehmen, ein Zuschuss sei mit der Auszahlung endgültig. Endgültig ist er erst nach der Verwendungsprüfung.