Vier Ebenen, vier getrennte Töpfe
Förderung in Deutschland ist nicht zentral organisiert, und das ist der Grund für fast jede Enttäuschung bei der Suche. Es gibt nicht eine Stelle, die alles kennt, sondern vier Ebenen mit eigenen Haushalten, eigenen Zielen und eigenen Verwaltungen.
- EU: große Fonds wie EFRE und ESF Plus, dazu Direktprogramme. Die Fonds werden fast immer von den Ländern umgesetzt, du beantragst also beim Land.
- Bund: Ministerien, Bundesämter und die Förderbank des Bundes. Bundesweit einheitliche Bedingungen, oft die größten Summen und die längsten Bearbeitungszeiten.
- Land: Landesministerien, Landesförderbanken und Landesämter. Ergänzen den Bund und setzen eigene Schwerpunkte, die sich zwischen den Ländern deutlich unterscheiden.
- Kommune: Stadt, Gemeinde, Landkreis, dazu Stadtwerke und regionale Klimafonds. Kleinere Summen, oft unbürokratisch, aber praktisch nie in bundesweiten Datenbanken erfasst.
In welcher Reihenfolge du suchst
Die Reihenfolge ist kein Geschmack, sondern Terminplanung. Das Programm mit der längsten Bearbeitungszeit und den strengsten Anforderungen bestimmt deinen Zeitplan, also fängst du dort an.
- 1Beschreibe dein Vorhaben in zwei Sätzen und lege fest, wer der Antragsteller wäre: Privatperson, Unternehmen, Verein oder Kommune.
- 2Sieh in der Förderdatenbank des Bundes nach, sie führt Programme von Bund, Ländern und EU zusammen.
- 3Prüfe das Portal deiner Landesförderbank und die Seiten der zuständigen Landesministerien.
- 4Ruf bei Stadt, Gemeinde oder Landkreis an und frage nach kommunalen Zuschüssen, Klimafonds und Programmen der Stadtwerke.
- 5Frag deine Kammer, deinen Verband oder eine Beratungsstelle, ob sie ein Programm kennen, das nicht in den Portalen steht.
- 6Sortiere die Treffer nach Bearbeitungszeit und beantrage von oben nach unten.
Die Förderdatenbank des Bundes richtig benutzen
Die Förderdatenbank ist der beste Einstieg, weil sie Programme aller drei staatlichen Ebenen enthält. Sie ist allerdings nach Verwaltungslogik sortiert und nicht nach Lebenslagen, weshalb viele nach zwei Suchen aufgeben.
Nutze deshalb die Filter statt der Volltextsuche: Fördergebiet, Förderberechtigte und Förderbereich zusammen liefern brauchbarere Ergebnisse als ein Stichwort. Suche außerdem mit den Begriffen, die die Verwaltung benutzt. Wer Wärmepumpe eingibt, findet weniger als wer nach Heizungstausch oder Einzelmaßnahme sucht.
Auch die Förderdatenbank ist nicht vollständig und nicht immer tagesaktuell. Verbindlich ist die Seite des Fördergebers, auf die sie verweist.
Landesförderbanken und Landesportale
Jedes Bundesland hat eine Förderbank oder eine vergleichbare Einrichtung. Sie ist für Förderkredite fast immer der zentrale Anlaufpunkt und betreibt in vielen Ländern auch die Zuschussprogramme des Landes.
Landesprogramme sind der am meisten unterschätzte Bereich. Sie ergänzen die Bundesförderung, sind oft schneller entschieden und decken Themen ab, die der Bund gar nicht bedient, etwa regionale Wirtschaftsstruktur, Dorfentwicklung oder Kulturarbeit. Weil sie sich zwischen den Ländern stark unterscheiden, hilft der Blick in ein Nachbarland nicht weiter.
Der Topf, den fast alle übersehen
Kommunale Förderung ist selten groß, aber häufig einfach. Städte und Gemeinden fördern Dachbegrünung, Zisternen, Lastenräder, Balkonkraftwerke, Fassadensanierung in Sanierungsgebieten, Vereinsarbeit oder die Wiederbelebung von Ladenlokalen. Stadtwerke legen eigene Programme auf, meistens für ihre Kunden.
Diese Programme stehen fast nie in bundesweiten Datenbanken. Der zuverlässigste Weg ist der direkte: die Seite der Kommune nach dem Wort Förderrichtlinie durchsuchen, im Zweifel bei der Klimaschutzstelle oder im Bauamt anrufen. Ein Anruf ersetzt hier eine Stunde Suchen.
Kammern, Verbände und Beratungsstellen
Für Unternehmen und Gründungen sind Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern die naheliegende Stelle. Sie kennen die Landesprogramme, beraten in der Regel kostenfrei und stellen bei Bedarf fachkundige Stellungnahmen aus.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher gibt es Energieberatung und Verbraucherzentralen, für Vereine die Dachverbände und die kommunale Vereinsförderung, für Landwirtschaft die Landwirtschaftskammern. Diese Stellen sind nicht die Bewilligungsstelle, aber sie wissen, wo der Antrag hingehört.
Ein gefundenes Programm in zehn Minuten bewerten
Bevor du Zeit in einen Antrag steckst, klärst du sieben Punkte. Fällt einer davon negativ aus, ist das Programm für dich erledigt, und du sparst dir den Rest.
- Bin ich antragsberechtigt, und zwar genau in der Rolle, in der ich auftrete
- Ist mein Vorhaben förderfähig, und ist es das noch, wenn ich es so beschreibe, wie es wirklich ist
- Läuft das Programm aktuell, oder ist es ausgesetzt, ausgelaufen oder budgetiert
- Muss der Antrag vor Vorhabenbeginn gestellt werden
- Gibt es eine Bagatellgrenze, unter der mein Vorhaben zu klein ist
- Welche Nachweise verlangt der Antrag, und habe ich sie oder bekomme ich sie rechtzeitig
- Was sagt die Richtlinie zur Kombination mit anderen Förderungen
Warum Programme verschwinden und wiederkommen
Förderprogramme hängen an Haushalten. Ist der Titel für ein Jahr ausgeschöpft, wird die Annahme von Anträgen gestoppt, manchmal mitten im Jahr und mit wenigen Tagen Vorlauf. Nach dem Haushaltsbeschluss geht es oft weiter, gelegentlich mit geänderten Bedingungen.
Für dich heißt das zweierlei. Erstens: Ein Ratgebertext, der älter ist als ein Jahr, ist bei Sätzen und Fristen wertlos, auch dieser hier. Zweitens: Wenn du auf einen Zuschuss angewiesen bist, beantragst du früh im Förderzeitraum und nicht kurz vor Schluss.
Programmdaten auf dieser Seite tragen ein Prüfdatum. Verbindlich ist trotzdem immer die Richtlinie beim Fördergeber.
Typische Suchfehler
Diese Muster kosten am meisten Zeit und am häufigsten Geld.
- Nur nach dem Produkt suchen statt nach dem Zweck, etwa nach einem Gerätenamen statt nach der Maßnahme
- Bei der ersten Ebene aufhören, sobald ein passendes Bundesprogramm gefunden ist
- Die Kommune gar nicht fragen, weil dort sowieso nichts sei
- Sich auf die Zusammenfassung eines Portals verlassen, ohne die Richtlinie zu öffnen
- Erst suchen, wenn der Handwerkertermin schon steht
- Übersehen, dass die eigene Rolle über die Antragsberechtigung entscheidet, etwa Eigentümer statt Mieter