Antragio

Wissen

Die THG-Quote erklärt, Jahr für Jahr

Wer ein E-Fahrzeug hält, kann jedes Jahr eine Prämie kassieren. Woher das Geld kommt, wer berechtigt ist, warum die Höhe schwankt und worauf du bei Anbietern achten solltest.

Lesezeit
7 Minuten
Zuletzt geprüft
Zuletzt geprüft am
Umfang
8 Abschnitte

Das Wichtigste in Kürze

  • Die THG-Quote ist keine staatliche Förderung, sondern ein Handelsmechanismus. Bezahlt wird von der Mineralölwirtschaft.
  • Berechtigt ist der im Fahrzeugschein eingetragene Halter eines rein batterieelektrischen Fahrzeugs.
  • Die Menge wird pro Fahrzeug und Kalenderjahr nur einmal vergeben, sie verfällt ungenutzt.
  • Die Prämienhöhe hängt am Quotenpreis und schwankt deshalb von Jahr zu Jahr erheblich.

Die Treibhausgasminderungsquote, kurz THG-Quote, ist keine klassische Förderung, sondern ein Handelsmechanismus aus dem Immissionsschutzrecht. Für Halter von Elektrofahrzeugen ist sie trotzdem eine der einfachsten Einnahmen überhaupt, weil sie mit wenigen Klicks beantragt wird und keinen Antrag vor Vorhabenbeginn kennt. Wer versteht, woher das Geld kommt, versteht auch, warum die Prämien so stark schwanken und warum beworbene Höchstbeträge mit Vorsicht zu lesen sind.

Woher das Geld kommt

Unternehmen, die fossile Kraftstoffe in Verkehr bringen, müssen die Treibhausgasemissionen ihres Absatzes um einen gesetzlich festgelegten Anteil senken. Schaffen sie das nicht durch eigene Maßnahmen, können sie Minderungsmengen von anderen erwerben.

Strom, der in Elektrofahrzeugen geladen wird, erzeugt genau solche Minderungsmengen. Als Halter eines E-Fahrzeugs kannst du diese Menge abtreten und verkaufen lassen. Bezahlt wird also nicht vom Staat, sondern von der Mineralölwirtschaft. Genau deshalb gibt es hier auch keinen Bescheid, keine Auflagen und keinen Verwendungsnachweis.

Wer berechtigt ist

Anspruchsberechtigt ist der in der Zulassungsbescheinigung eingetragene Halter eines reinen batterieelektrischen Fahrzeugs. Privatpersonen genauso wie Unternehmen, Vereine und Kommunen.

Hybride sind grundsätzlich nicht berechtigt, weil nur rein elektrische Antriebe zählen. Entscheidend ist außerdem die Fahrzeugklasse, die im Fahrzeugschein steht, denn nicht jede Klasse ist einbezogen.

  • Reines Elektroauto, elektrisches Nutzfahrzeug, Elektroroller oder Leichtfahrzeug in einer einbezogenen Fahrzeugklasse
  • Halter ist, wer im Fahrzeugschein steht, nicht wer fährt
  • Bei Leasing ist häufig der Leasingnehmer Halter, maßgeblich ist der Eintrag und der Vertrag
  • Bei Dienstwagen ist in der Regel der Arbeitgeber Halter
  • Pro Fahrzeug und Kalenderjahr wird die Menge nur einmal vergeben

So läuft es ab

Der Ablauf ist bei allen Anbietern ähnlich und dauert für dich wenige Minuten. Die Wartezeit entsteht danach, bei der amtlichen Bescheinigung.

  1. 1Anbieter auswählen und Konto anlegen.
  2. 2Foto oder Scan der Zulassungsbescheinigung Teil I hochladen, Vorder- und Rückseite gut lesbar.
  3. 3Minderungsmenge für das laufende Kalenderjahr abtreten und die Bedingungen bestätigen.
  4. 4Der Anbieter bündelt viele Fahrzeuge und lässt die Menge beim Umweltbundesamt bescheinigen.
  5. 5Die bescheinigte Menge wird an quotenverpflichtete Unternehmen verkauft.
  6. 6Auszahlung an dich, je nach Anbieter nach Antragstellung oder erst nach der Bescheinigung.

Zwischen Antrag und Auszahlung liegen je nach Anbieter einige Wochen bis mehrere Monate, weil die amtliche Bescheinigung Zeit braucht.

Warum die Prämie jedes Jahr anders ausfällt

Die Prämie ist ein Marktpreis. Sie hängt daran, wie hoch die gesetzliche Minderungsverpflichtung ist, wie viele Minderungsmengen aus anderen Quellen im Markt sind und wie viele Elektrofahrzeuge es gibt. Steigt das Angebot an Mengen schneller als die Verpflichtung, fällt der Preis.

Deshalb sind Vergleiche mit Vorjahren wenig wert, und deshalb sollte man Werbeaussagen mit sehr hohen Beträgen prüfen. Seriöse Anbieter nennen entweder eine feste Prämie, die sie garantieren, oder erklären offen, dass du einen Anteil am tatsächlichen Erlös bekommst.

Der zweite Weg: öffentlicher Ladepunkt

Neben Fahrzeugen können auch öffentlich zugängliche Ladepunkte Minderungsmengen erzeugen. Grundlage ist dann nicht eine Pauschale je Fahrzeug, sondern die tatsächlich abgegebene Strommenge.

Dafür muss der Ladepunkt als öffentlich zugänglich gemeldet und die Strommenge messbar erfasst sein. Für Betriebe, Vereine und Kommunen mit eigener Ladeinfrastruktur ist das der interessantere Weg, weil er mit der Nutzung skaliert. Die Anforderungen sind allerdings deutlich formaler als beim Fahrzeug.

Worauf du bei der Anbieterwahl achten solltest

Der Markt ist unübersichtlich, und es sind bereits Anbieter verschwunden, bevor sie ausgezahlt haben. Diese Punkte klärst du vor der Anmeldung.

  • Feste Prämie oder variabler Anteil am Erlös, beides gibt es und beides kann sinnvoll sein
  • Wann genau wird ausgezahlt, nach Antragstellung oder erst nach der Bescheinigung
  • Gibt es eine automatische Verlängerung für Folgejahre, und wie kommst du wieder heraus
  • Was passiert, wenn du das Fahrzeug im laufenden Jahr verkaufst
  • Wie lange gibt es den Anbieter, und wer steht dahinter
  • Wie werden deine Daten verwendet, und wird die Zulassungsbescheinigung nach der Prüfung gelöscht

Sehr neue Anbieter mit auffällig hohen Versprechen und Vorabgebühren sind ein Risiko. Für die Abtretung selbst zahlst du nichts.

Steuerliche Einordnung

Bei Privatpersonen wird die Prämie für ein privat genutztes Fahrzeug regelmäßig nicht als steuerpflichtige Einnahme behandelt. Bei betrieblichen Fahrzeugen ist sie dagegen Betriebseinnahme und wirkt sich entsprechend aus.

Bei Vereinen kommt die Frage dazu, ob die Einnahme dem ideellen Bereich oder einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zuzuordnen ist. Kläre die Behandlung im Zweifel mit deiner Steuerberatung. Dieser Abschnitt ist keine Steuerberatung.

Typische Fehler

Alles davon lässt sich mit einer Kalendererinnerung vermeiden.

  • Das Jahr verstreichen lassen, die Menge verfällt und wird nicht nachgeholt
  • Zweimal beim selben Fahrzeug beantragen, das führt zur Ablehnung bei beiden Anbietern
  • Beim Leasing annehmen, der Leasinggeber habe es schon gemacht, ohne im Vertrag nachzusehen
  • Fahrzeugverkauf nicht melden und den Anspruch für das laufende Jahr offen lassen
  • Unleserliche Fotos hochladen und dadurch Wochen verlieren

Häufige Fragen

Bekomme ich die Prämie auch für ein Plug-in-Hybridfahrzeug?

Nein. Berechtigt sind rein batterieelektrische Fahrzeuge. Hybride sind ausgenommen, weil sie weiterhin einen Verbrennungsmotor haben.

Kann ich die Prämie für vergangene Jahre nachholen?

In der Regel nicht. Die Menge wird pro Kalenderjahr vergeben, und nach Ablauf der jeweiligen Antragsphase verfällt sie. Setz dir deshalb eine jährliche Erinnerung.

Ich habe das Auto mitten im Jahr gekauft. Wer bekommt die Prämie?

Maßgeblich ist, wer im Antragszeitpunkt als Halter eingetragen ist und ob für das Fahrzeug in diesem Jahr bereits eine Menge vergeben wurde. Frag den Voreigentümer, ob er schon beantragt hat, sonst wird dein Antrag abgelehnt.

Ist die THG-Quote mit anderen Förderungen kombinierbar?

Ja, sie ist keine Zuwendung im haushaltsrechtlichen Sinn und steht neben möglichen Zuschüssen für Fahrzeug oder Ladeinfrastruktur. Bei betrieblichen Fahrzeugen kann sie allerdings in der Wirtschaftlichkeitsrechnung eines Programms zu berücksichtigen sein.

Die THG-Quote gibt es jedes Jahr neu. Setz dir eine Erinnerung, sonst verfällt sie ungenutzt, und das wäre selbst mir zu träge.

Begriffe aus diesem Text

Kurz nachgeschlagen im Förderlexikon, jeweils mit eigener Quelle.

Quellen

Sätze, Grenzen und Fristen ändern sich laufend. Verbindlich ist immer die Richtlinie oder der Bescheid der zuständigen Stelle. Dieser Text erklärt die Mechanik und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Förderberatung.

Betrifft dich das überhaupt?

Ein Erklärstück kennt dein Vorhaben nicht. Der kostenlose Check fragt zwei Minuten lang nach und sagt dir dann, welche Programme zu deiner Lage passen und in welcher Reihenfolge du sie beantragen solltest. Wir reichen nichts für dich ein und sagen keine Bewilligung zu.

Weiterlesen

Die THG-Quote erklärt, Jahr für Jahr | Antragio