Drei Geldwege, die ständig verwechselt werden
Wer nach Förderung für Photovoltaik sucht, findet Ergebnisse aus drei verschiedenen Systemen. Sie schließen sich nicht aus, funktionieren aber völlig unterschiedlich.
- Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz: ein gesetzlicher Zahlungsanspruch gegenüber dem Netzbetreiber für den eingespeisten Strom. Kein Antrag bei einer Förderstelle, sondern Anmeldung und Abrechnung.
- Zuschüsse: echte Förderung mit Antrag, Bescheid und Nachweis. Kommen fast immer vom Bundesland, von der Kommune oder vom Stadtwerk, oft für Speicher, Balkonkraftwerke oder Anlagen auf bestimmten Gebäuden.
- Steuerliche Regelungen: kein Geldeingang, sondern eine geringere Belastung. Für kleine Anlagen enthalten Einkommensteuer- und Umsatzsteuerrecht eigene Vorschriften.
Kredite kommen als vierter Weg dazu, etwa über die Förderbanken. Sie ersetzen keinen Zuschuss, helfen aber der Finanzierung.
Anmeldung beim Netzbetreiber
Der Netzbetreiber ist die Stelle, die den Anschluss genehmigt und später die Vergütung zahlt. Für Anlagen, die ins Netz einspeisen, gehört die Anmeldung vor die Inbetriebnahme, in der Regel läuft sie über den installierenden Fachbetrieb.
Der Netzbetreiber prüft die Anschlussmöglichkeit, gibt die technischen Vorgaben vor und kümmert sich um den Zählertausch. Ohne diesen Schritt gibt es keinen ordnungsgemäßen Messpunkt und damit keine Abrechnung. Wer den Betrieb selbst organisiert, klärt die Formulare direkt beim Netzbetreiber, jeder hat ein eigenes Portal.
Marktstammdatenregister
Das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur ist das amtliche Verzeichnis aller Strom- und Gaserzeugungsanlagen. Die Registrierung ist eine gesetzliche Pflicht, sie ist kostenlos, läuft online und ist an eine Frist nach Inbetriebnahme gebunden.
Sie betrifft ausdrücklich auch kleine Anlagen und Steckersolargeräte. Fehlt der Eintrag, kann die Zahlung der Einspeisevergütung ausgesetzt werden. Geänderte Daten musst du nachpflegen, etwa nach einer Erweiterung, einem Speichereinbau oder einem Eigentümerwechsel.
Registrierung im Register und Anmeldung beim Netzbetreiber sind zwei verschiedene Vorgänge. Einer ersetzt den anderen nicht.
Steckersolargeräte: der vereinfachte Weg
Für Balkonkraftwerke hat der Gesetzgeber den Weg deutlich vereinfacht. Im Marktstammdatenregister gibt es ein verkürztes Formular mit wenigen Angaben, und der bürokratische Aufwand rund um den Netzanschluss wurde reduziert.
Weil sich die Regeln hier in den letzten Jahren mehrfach geändert haben, ist der Blick in die aktuelle Fassung besonders wichtig. Prüfe außerdem die technischen Vorgaben zu Leistung, Steckverbindung und Zähler sowie bei Miete oder Eigentumswohnung die Zustimmungsfragen. Viele Kommunen und Stadtwerke fördern Steckersolargeräte mit eigenen Zuschüssen, und diese Programme sind häufig schnell ausgeschöpft.
Speicher, Wallbox und der Rest der Anlage
Batteriespeicher, Wallboxen und Energiemanagementsysteme werden in vielen Landes- und Kommunalprogrammen gefördert, teils nur in Kombination mit einer neuen Photovoltaikanlage. Das ist der häufigste Grund, warum sich ein Blick auf die Landesebene lohnt, auch wenn die Anlage selbst keinen Zuschuss bekommt.
Achte auf die Reihenfolgeregeln: Manche Programme verlangen, dass Anlage und Speicher gemeinsam beantragt werden, andere fördern die Nachrüstung ausdrücklich. Wer den Speicher später einbaut, ohne das vorher zu prüfen, verliert unter Umständen die Kombinationsmöglichkeit.
Wo es überhaupt Zuschüsse gibt
Für die reine Anlage gibt es auf Bundesebene meist keinen Zuschuss, sondern die Vergütung und gegebenenfalls einen Kredit. Die Zuschüsse liegen darunter.
- Landesprogramme, oft für Speicher, für Anlagen auf Mietwohngebäuden oder für bestimmte Zielgruppen
- Kommunale Klimafonds, häufig für Balkonkraftwerke und für Anlagen auf Bestandsgebäuden
- Stadtwerke, meist für die eigenen Kundinnen und Kunden
- Programme für Vereine, Kommunen und soziale Einrichtungen mit eigenen Bedingungen
- Förderkredite der Förderbanken für die Finanzierung der Gesamtinvestition
Auch hier gilt: erst beantragen, dann beauftragen. Kommunale Zuschüsse sind meist streng an den Antrag vor Vorhabenbeginn gebunden.
Steuerliche Behandlung in Grundzügen
Für kleine Anlagen enthalten das Einkommensteuergesetz und das Umsatzsteuergesetz eigene Vorschriften, die den Aufwand erheblich senken sollen. Ob sie für deine Anlage greifen, hängt an Größe, Gebäudeart und Nutzung, und die Voraussetzungen stehen in den jeweiligen Paragrafen.
Praktisch relevant sind drei Fragen: ob die Einnahmen aus der Einspeisung steuerfrei sind, wie die Anschaffung umsatzsteuerlich behandelt wird und ob eine Anmeldung beim Finanzamt nötig ist. Diese Fragen gehören in die Steuerberatung. Dieser Artikel benennt sie, beantwortet sie aber ausdrücklich nicht.
Die Reihenfolge in der Praxis
Diese Abfolge vermeidet die typischen Konflikte zwischen Förderantrag, Netzanschluss und Inbetriebnahme.
- 1Zuschüsse auf Landes-, Kommunal- und Stadtwerksebene suchen und deren Antragsvoraussetzungen lesen.
- 2Angebote einholen und, wo ein Zuschuss in Frage kommt, den Vertrag erst nach dem Antrag oder unter Bedingung schließen.
- 3Zuschuss beantragen und die Zusage abwarten.
- 4Anmeldung beim Netzbetreiber durch den Fachbetrieb veranlassen, vor der Inbetriebnahme.
- 5Anlage errichten und in Betrieb nehmen lassen, Inbetriebnahmedatum dokumentieren.
- 6Im Marktstammdatenregister registrieren, innerhalb der gesetzlichen Frist.
- 7Verwendungsnachweis für den Zuschuss einreichen und die steuerlichen Fragen mit der Steuerberatung klären.
Typische Fehler
Diese Punkte kosten Geld oder Nerven, manchmal beides.
- Anlage bestellen, bevor der kommunale Zuschuss beantragt ist
- Registrierung im Marktstammdatenregister vergessen oder Fristen verstreichen lassen
- Annehmen, der Fachbetrieb erledige Register und Förderantrag automatisch mit
- Speicher nachrüsten, ohne die Kombinationsregeln des Zuschussprogramms geprüft zu haben
- Bei Eigentumswohnung oder Miete die Zustimmungsfragen zu spät klären
- Änderungen an der Anlage nicht im Register nachpflegen